Eine Seilbahn – Verkehrslösung des 21. Jahrhunderts?

Im März 2020 stellte die Gemeinderatsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Aalener Stadtrat den Antrag, eine Machbarkeitsstudie für eine urbane Seilbahnstrecke zwischen Ebnat (evtl. über Unterkochen) nach Oberkochen zu beauftragen. Ziel des Baus ist eine erhebliche Verkehrsentlastung der Ebnater Steige und damit eine Verbesserung der Lebensbedingung für die betroffenen Anwohner. Wir sprechen mit Gabriele Ceferino (Kreisrätin, Stadträtin und Ortschaftsrätin) und verantwortliche Verfasserin des Antrags.

 Frau Ceferino, wie kamen Sie auf die Idee für den Bau einer urbanen Seilbahn?

Ich habe selbst lange Zeit in Oberkochen gearbeitet und bin täglich vom Härtsfeld nach Oberkochen gependelt und wie viele andere in Unterkochen und im Anschluss auf der Abfahrt der B19 im Stau gestanden.

Weil ich mich über eine lange Zeit mit Straßenbau und Entlastungswirkung beschäftigt habe, bin ich auf die Möglichkeit der urbanen Seilbahnsysteme gestoßen und bewerte diese als bestmögliche Lösung für immer größer werdende Verkehrsprobleme.

Welche Vorteile bieten urbane Seilbahnsysteme?

Sie sind barrierefrei und können von Jedermann genutzt werden – Pendler, Geschäftsleute, Familien mit Kinderwagen, Radfahrer sowie Mitbürger mit Rollator oder Rollstuhl sind dort gut aufgehoben. Es gibt keine Wartezeiten, da die Kabinen ständig ankommen und abfahren. Sie sind verbrauchs- und geräuscharm. Und sie verbrauchen so gut wie keine Landschaft.

Wie groß ist denn der Landschaftsverbrauch beim Straßenbau im Vergleich zur Seilbahn?

Für eine 5 km lange, zweispurige Landstraße ohne Schnickschnack werden ca. 47.500qm versiegelt. Bei Seilbahnsystemen würde der meiste Platz für die Erschließung der Stationen benötigt. Das ist sehr überschaubar. Das System selbst kommt mit wenigen Stützen aus und deren Flächenverbrauch ist verschwindend gering. Für das System müssten also im Gegensatz zum Straßenbau so gut wie keine Bäume gefällt und keine Fläche versiegelt werden.

Welche Verkehrsentlastung könnte denn ein solches System schaffen?

Meine persönliche Einschätzung ist, dass ein System, das 2000 Personen pro Stunde und Richtung schafft, ausreichend ist. Das würde in den Stoßzeiten ebenso viele Kraftfahrzeuge auf den Straßen einsparen. Auch dafür ist die Machbarkeitsprüfung gedacht, um wissenschaftlich exakte Werte zu ermitteln.

Wie lange würde denn die Fahrzeit von Ebnat nach Oberkochen zu Carl Zeiss SMT betragen?

Je nach Streckenführung kommt man von einem P+R-Parkhaus an der neuen Nordumfahrung Ebnat bis zu Carl Zeiss SMT in ca. 15 Minuten. Wenn ich mich an meine Staustehzeiten erinnere, wäre das ein Traum für mich gewesen.

Wäre es eine Alternative, zusätzliche Busse zwischen einem P+R-Parkhaus und Oberkochen einzusetzen?

Nein. Das Problem an einem Pendelbussystem ist, dass es mit Taktzeit fährt. Wenn also ein Lieferant, Kunde oder Mitarbeiter, der zu Carl Zeiss nach Oberkochen möchte, erst parken und dann 20 Minuten auf den Bus warten muss, der anschließend mit allen anderen Verkehrsteilnehmern im Stau steht, bringt das nichts. Wenn derjenige aber sein Auto im Parkhaus abstellt, dann in die komfortable Kabine einsteigt, über den Stau hinweggleitet und bequem auf die Firma zufliegt, beeindruckt das die Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen. Es wäre ein deutliches Zeichen für Innovation und spart auch noch Zeit und Ressourcen des Seilbahnnutzers.

Steht die Seilbahn in Konkurrenz zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln?

Nein, sie wirkt entlastend auf die Straße und ist eine Ergänzung des bestehenden Bus- und Bahnverkehrs. Eine gute Simulation der Firma Doppelmayr, deren Problemstellung der hiesigen sehr ähnlich ist, findet man unter diesem Link: https://www.youtube.com/watch?v=XipANwcVnRI

Wie lange würde es dauern, eine urbane Seilbahn zu planen, zu genehmigen und zu bauen?

Dies ist eins der absolut unschlagbaren Argumente – vom Startschuss bis zur ersten offiziellen Fahrt dauert es maximal 2 Jahre.

Von wem müssten die Kosten eines Seilbahnsystems getragen werden?

Durch eine Änderung des GVFG (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) wird der infrastrukturelle Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs vom Bund stark unterstützt. Aus diesem Grund kann die Kommune beim Bau mit großzügigen Zuschüssen rechnen. Wie hoch diese sind und welche Kosten eventuell vom Land Baden-Württemberg übernommen werden, soll durch die Anfertigung der Machbarkeitsstudie geklärt werden.

Wie soll es jetzt weitergehen?

Wichtig ist, dass eine Verkehrslösung geschaffen wird, die Unterkochen wirklich und schnell entlastet und nicht zusätzliches Leiden schafft. Ich würde mir wünschen, dass die Bürgerinnen und Bürger die Vorteile der Seilbahntechnologie erkennen und die Umsetzung dieses Konzeptes beziehungsweise zumindest deren Prüfung im Rahmen der beantragten Machbarkeitsstudie bei ihren politischen Vertretern einfordern.

In welchen Städten wurde bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Viele Städte haben das Potenzial eines urbanen Seilbahnsystems erkannt und lassen momentan mit Machbarkeitsstudien prüfen, ob eine Realisierung technisch und wirtschaftlich möglich ist. Als Beispiele seien genannt die Städte München, Dachau, Düsseldorf, Ingolstadt, Pforzheim und Stuttgart.

Gibt es schon Ergebnisse bei den einzelnen Studien?

In der ersten Stufe wurden in Stuttgart vier Trassen geprüft. Eine davon wird als sinnvoll erachtet, so dass jetzt eine technisch und wirtschaftlich exakte Begutachtung in Auftrag gegeben wurde. In Dachau hatte die erste Analyse ein positives Ergebnis zur Folge. Dort wird jetzt eine detaillierte Kostenberechnung vorgenommen. In Bonn wurde bereits erfolgreich eine Nutzen-Kosten-Analyse angefertigt, zusammen mit der Planung der Trassenführung. Derzeit erfolgt die Abstimmung mit dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Bund hinsichtlich der Fördermöglichkeiten. Andere Städte in Deutschland sind uns also schon einen Schritt voraus.

Wie sieht die Situation in Europa aus?

In Toulouse etwa wird momentan ein Seilbahnprojekt ganz konkret umgesetzt. Cyril Ladier, der Projektleiter, hatte hierzu übrigens bemerkt, dass die Entscheidung pro Seilbahn wenig mit Romantik zu tun hatte. Es war schlicht die günstigste und schnellste Alternative, einen leistungsfähigen Verkehrsträger zu erhalten.

Gabriele Ceferino
Ortschaftsrätin
in Waldhausen,

Stadträtin, Kreisrätin

2 Kommentare

  1. Klaus Berger

    Solange die GRÜNEN in Unterkochen nicht einmal in der Lage sind, den einzig sinnvollen Radweg aufs Härtsfeld zu denken, werden sie gegen die Klimakrise nichts zu Wege bringen. Sie haben nicht begriffen, dass Natur nicht hinter dem Pflänzchen am Wegesrand aufhört, sondern das Große Ganze ist. So werden sie werden nichts erreichen und zum Schluss notgedrungen den Ausbau der Ebnater Steige oder irgendeiner anderen Straße zulassen, für die jede Menge Natur zerstört wird und auf der jede Menge Autos fahren, die niemals klimaneutral sein werden. Vergangen ist dann die „Mobilität der Zukunft“.
    Warum nach den Sternen greifen, sieh das Gute ist so einfach: Wer nur nach Ebnat will, käme über die Schättere ganz gut mit dem Rad dahin. Wer weiter fahren will, dem nützt die Seilbahn weniger als ein Radweg. Um ein paar Leute nach Ebnat zu befördern, braucht es braucht keine Seilbahn – da tut’s auch ein Bus. Auch der kann weiter fahren als die Seilbahn, wenn es gewünscht ist.
    Wenn man partout eine Seilbahn bauen möchte, dann von der Ortsmitte Unterkochen zum Wanderparkplatz. Dann brauchen die Spaziergänger auf der Schättere nicht mehr mit ihren Autos die Luft zu verpesten.
    Die Sorge um die Erde kann nicht so groß sein, wenn man solch ein Projekt vorschlagen kann. Eine Seilbahn ist kein Energiesparmobil, sie verbraucht Strom – und das nicht zu knapp. Daran ist nichts klimaneutral. Die Eingriffe in die Natur für Bau und Betrieb sind ein Vielfaches mehr als die alte Bahntrasse frisch aufzuschottern. Und wenn man etwas gegen die Versiegelung der Landschaft tun will: den Asphalt auf dem Grüß-Gott-Wegle rausreißen wäre mal ein Anfang.
    Der Tourismus hat mehr von einer durchgehenden Radwanderverbindung von Aalen bis an die Donau. Was soll eine Seilbahn, mit der man zum „Schau-ins-Land“ an der Baustelle für die Umgehungsstraße von Ebnat fahren kann und wieder zurück? Das macht man nicht einmal – und erst recht nicht 90 Jahre lang.

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  2. Klaus Berger

    Die Thesen der GRÜNEN nicht unterstützende Meinungen werden an dieser Stelle nicht veröffentlicht. Hier ersetzt Zensur die gewünschte Bürgerbeteiligung, die offensichtlich nur zu Wort kommt, wenn eigene Positionen vertreten werden.

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